Ihr beruflicher Werdegang umfasst akademische Forschung, den Apothekenbereich, die pharmazeutische Industrie sowie Führungsaufgaben im Qualitätsmanagement eines Auftragsherstellers (CDMO) – und nun auch die Beratung. Wie hat diese Vielseitigkeit Ihre Herangehensweise an die Risikobewertung und Entscheidungsfindung unter Druck geprägt?
Die Vielfalt an Perspektiven und Erfahrungen hilft mir, je nach Situation flexibel Prioritäten zu setzen. In manchen Momenten kommt es vor allem auf die strikte Einhaltung der Regeln an, in anderen auf ein sehr praktisches Verständnis der Prozesse und ihrer Grenzen. Gerade in einem GMP-Umfeld merkt man schnell, wie wichtig es ist, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden und Grauzonen richtig einzuschätzen.
Die Kombination aus wissenschaftlichem Hintergrund, operativer Erfahrung und regulatorischem Verständnis hilft mir heute dabei, Risiken ganzheitlich einzuschätzen und pragmatische Entscheidungen zu treffen, die dennoch fachlich fundiert sind.
Welche System- oder Prozessverbesserung führt fast immer zu besseren Ergebnissen, wird aber dennoch häufig unterschätzt?
Eine oft unterschätzte, aber äußerst wirksame Verbesserung ist die systematische Einbindung der Mitarbeiter, die täglich mit den Prozessen arbeiten. Sie kennen Engpässe, Umgehungslösungen und Chancen und liefern oft die schnellsten „Quick Wins“. Wenn Mitarbeiter aktiv in Verbesserungsmaßnahmen eingebunden werden, steigt die Bereitschaft, neue Lösungen anzunehmen und langfristig umzusetzen, erheblich. Oft fehlt es jedoch an einer klaren Methode, um Erfahrungswissen systematisch zu erfassen und in Verbesserungen umzusetzen.
Welche hart erarbeitete Erkenntnis würden Sie auf jeden Fall weitergeben?
Eine wichtige Erkenntnis – auch wenn ich vermute, dass sie niemandem wirklich Umwege erspart – ist, dass Fachwissen allein nicht ausreicht. Was zählt, ist die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung dafür zu übernehmen. Dieses Verantwortungsbewusstsein entwickelt sich nicht von selbst; es wächst durch Übung, Reflexion und einen offenen Umgang mit Fehlern – was keine Schwäche ist, sondern ein Zeichen von Professionalität, das Vertrauen schafft.
Ebenso wichtig ist es, Fragen zu stellen, anstatt aus Unsicherheit zu schweigen. Fragen verhindern Missverständnisse und beschleunigen echtes Lernen.
Wenn es also eine Sache gibt, die ich weitergeben möchte, dann diese: Entscheide mutig, stelle neugierige Fragen und lerne offen aus Fehlern
Welche Arten von Kundenherausforderungen sprechen Sie in Ihrer neuen Rolle als Senior Consultant bei PharmaKorell am meisten an – und warum?
Mich reizen besonders Kundenherausforderungen, bei denen ich meine Erfahrungen aus der pharmazeutischen Auftragsfertigung, insbesondere im Bereich steriler Arzneimittel, direkt einbringen kann, um Kunden ganz konkret zu unterstützen.
Gleichzeitig freue ich mich auf Herausforderungen, die mir helfen, mich sowohl fachlich als auch methodisch weiterzuentwickeln. Die Pharmabranche ist vielfältig und entwickelt sich rasant weiter. Die Möglichkeit, über meinen bisherigen fachlichen Schwerpunkt hinauszuschauen, neue Themenbereiche zu erkunden und unterschiedliche Denk- und Arbeitsweisen kennenzulernen, ist für mich äußerst motivierend.
Letztendlich begeistert mich vor allem die Mischung: ein abwechslungsreiches „Bouquet“ aus Projekten, Strukturen und Fragestellungen. Für mich ist es genau diese Vielfalt, die die Rolle als Berater derzeit so reizvoll macht.
In Zeiten begrenzter Kapazitäten kann der Druck steigen, Chargen besonders schnell freizugeben. Was sind für Sie als QP die unverhandelbaren Punkte? Wo ziehen Sie die Grenze, unabhängig von den Umständen?
Die Rolle des QP wurde vom Gesetzgeber bewusst als letzte unabhängige Sicherheitsinstanz zwischen der Herstellung und dem Patienten geschaffen, und genau so verstehe ich sie auch. Arzneimittel sind ein besonderes Gut, und letztendlich geht es immer um Menschen, die darauf vertrauen, dass wir unsere Verantwortung ernst nehmen. Ich ziehe die Grenze dort, wo die Patientensicherheit nicht mehr zweifelsfrei gewährleistet werden kann. Wenn Unsicherheiten bestehen bleiben, wenn Daten fehlen oder wenn Risiken nicht vollständig bewertet wurden, dann kann und darf ich eine Charge nicht freigeben. Diese Entscheidung darf nicht durch Zeitdruck, wirtschaftliche Interessen oder externe Erwartungen beeinflusst werden.
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